Restat iter caeli: caelo tentabimus ire

10.1.09

Amazon und Rechtsextremismus - Teil 2

Amazon hat auf meine begründete Ankündigung meines Einkaufboykotts geantwortet. Amazon begründet sein Angebot von Schriften des rechtsextremen Verlages "Deutsche Stimme" mit den folgenden drei Argumenten
  1. Die Titel seien nicht indiziert und auch in der Vergangenheit nicht von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Damit sähe Amazon keinen Anhaltspunkt für eine Rechtswidrigkeit und somit seien die Titel auch wohl verkäuflich.
  2. Amazon habe das Ziel Meinungsfreiheit zu gewährleisten und wolle deshalb alle verfügbaren Titel anbieten, auch wenn diese selbst von Amazon Mitarbeitern "als anstößig oder in irgendeiner Weise kontrovers empfunden werden".
  3. Amazon sähe den Ausschluß bestimmter Titel als Zensur.
Dies sind m.E. Argumente, die es Wert sind, einzeln betrachtet zu werden, da sie vorgeben, auf den Grundlagen unseres Rechtssystemes zu basieren.
  1. Amazon hat Recht. Es ist nicht verboten, diese Titel zu verkaufen. Es stellt sich nur die Frage, ob eine Person - ob natürlich oder juristisch - alles tun muss, das nicht verboten ist. Amazon versucht anscheinend das Fehlen eines Verbotes als Verpflichtung zu definieren. Diese Frage kann ich für mich mit einem klaren "Nein" beantworten. Ein solches Verhalten führt zu einem Zerfall unserer Gesellschaft und zu der Notwendigkeit der detaillierten Regelung jeder Verhaltensweise durch Verbote oder Weisungen und somit zu einem vollständigen Freiheitsverlust.
  2. Amazon definiert mit dieser Aussage "Meinungsfreiheit" als den Zustand - als Unternehmen - frei jeder Meinung, also ohne Meinung, zu sein. Dies ist eine sehr irritierend Position. Es ist die Position eines Instrumentes und eines Mitläufers, welcher sich als "Opfer der Umstände" ohne Einfluß wahrnimmt. Dies erscheint mir gewissenlos. Jedes Unternehmen sollte moralisch-ethische Leitlinien haben, welche die Rahmenbedingungen für den Geschäftsbtrieb setzen. Geschäfte, die diesen Leitlinien widersprechen, sollten nicht abgeschlossen werden. Das Fehlen solcher Leitlinien führt zu einer Orientierungslosigkeit und letztlich zu einem Zerfall der Unternehmenskultur.
  3. Amazon wirft hier sehr demagogisch das Wort "Zensur" in den Ring. Dieses Argument grenzt an zynistische Lächerlichkeit. Solange die Titel jederzeit direkt über den Verlag zu beziehen sind, ist die Meinungsfreiheit noch immer gewährleistet. Jedoch ist kein Unternehmen verpflichtet die Verbreitung von Meinungen aktiv zu unterstützen. Läge ein Fall (unzulässiger) Zensur vor, dann hätte der Verlag sicher schon andere Buchändler auf die Verpflichtung zum Vertrieb verklagt.
Ich drehe den Spieß um und bediene mich zugegebenermaßen der gleichen Stilmittel wie Amazon. Ich behaupte: Jede unserer Taten gibt Aufschluss über unsere Gesinnung, unsere Meinungen und Einstellungen. Somit ziehe ich den Schluss, dass die aktive Unterstützung des Vertriebs rechtsextremer Schriften auf einer entsprechenden politischen Meinung beruhen muss. Somit verbietet sich für mich jede weitere geschäftliche Beziehung zu Amazon.


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