Restat iter caeli: caelo tentabimus ire

1.12.08

"Der Berliner" oder: "Lektionen für Touristen"

Freitagnacht 00:30 Uhr. Der letzte Zug aus der Frankfurt hat vor einigen Minuten am Hauptbahnhof Einzug gehalten. Es ist eisigkalt in Berlin. Der müde und frierende Tourist trägt mit aller Würde, die seine Erschöpfung zulässt, sein sperriges Gepäckstück durch die leeren Bahnhofshallen. Er kennt sich in der fremden Stadt nicht aus. Ein hoffnungsvoller Gedanke schweift durch seinen Kopf: Taxi! Er verlässt das noch ein wenig wärmende Gebäude und kämpft sich tapfer durch den eisigen Ostwind, der die Kälte Sibiriens in die Hauptstadt trägt, zum Taxistand. Er lächelt, denn er erkennt aus der Ferne den einsam leuchtenden Schriftzug auf dem einzigen cremfarbigen Fahrzeug, das zu dieser späten Stunde auf Reisende wartet. Er denkt an den Weihnachtsstern, lächelt, sammelt seine Kraft und bemüht sich seine Last zügiger zu tragen. Auf halbem Weg ertönt hinter Ihm eine Stimme: "Entschuldigung, könnten Sie mir helfen?" Der Reisende hält inne, setzt sein Gepäck ab und wendet sich, trotz aller Erschöpfung freundlich lächelnd, dem Hilfesuchenden zu. Er sieht wie der Mann auf ihn zu eilt, ihn erreicht, an ihm vorbei hastet und mit den Worten "Willkommen in Berlin, Du Touri!" in das letzte Taxi steigt und davonfährt.

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