Gerechtigkeit
Stellt euch vor, ihr müsstet zehn identische Murmeln zwischen zwei kleinen Jungen verteilen. Ihr könntet jedem Kind einfach fünf Murmeln geben, in die Hände klatschen und dies als gerecht bezeichnen. Die beiden Kinder würden sicherlich zustimmen.
Seht ihr, die Illusion funktioniert.
Ist es wirklich "gerecht" jedem Kind fünf Murmeln zu eben?
Müsstet ihr nicht wissen, wie viele Murmeln jedes Kind schon hat? Was ist, wenn das eine Kind schon tausend Murmeln hat und das andere Kind gar keine? Der Grenznutzen einer zusätzlichen Murmel ist für das Kind, das arm an Murmeln ist, viel höher als für das murmelreiche.
Sollte nicht auch Begeisterung der Kinder für Murmeln in Betracht gezogen werden? Betrachtet man das, dann versucht man ja eher, die beiden Kinder gleich glücklich zu machen. Wenn nun ein Kind Murmeln fünfmal lieber mag als das andere? In diesem Falle sollte man doch dem Kind das Murmeln nicht so gerne mag viel mehr Murmeln geben, damit es sich genauso freut wie der Murmelliebhaber über wenige. Es ist offensichtlich, dass das Kind das weniger Murmeln bekäme ziemlich unzufrieden wäre, denn er würde dies nicht als gerecht empfinden.
Es zeigt sich, dass das einfachste Beispiel von "Gerechtigkeit" einer sorgfältigen Prüfung nicht standhält. Glücklicherweise sind die meisten Menschen eher leichtgläubig und unkritisch. Sie sehen Gerechtigkeit, wo keine ist. Zum Glück, denn sonst würde keine Verteilung funktionieren.

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