Restat iter caeli: caelo tentabimus ire

6.10.06

Philosophische Frage des Tages

Wenn ein Mann in den Wald geht und einen Bären (sorry Bruno – Du bist nicht gemeint) mit einem spitzen Stock piekst und der Bär dann den Mann tötet, wer ist dann Schuld?

Bitte lest jetzt nicht weiter, bevor ihr euch gut überlegt habt ob ihr dem Manne oder dem Bären die Schuld gebt.

In Ordnung, jetzt könnt ihr weiterlesen.

Nehmt jetzt mal die obige Situation und ersetzt den Bären durch einen verwirrteten Menschen. Der Kerl mit dem spitzen Stock weiss ganz genau, dass er einem verwirrten und wahrscheinlich gewalttätigen Menschen gegenüber steht und piekst ihn trotzdem. Genau wie der Bär, tötet nun der verwirrte Mensch den Mann mit dem Stock.

Wer ist jetzt schuld? Der verwirrte Gewalttäter oder der Mann mit dem Stock?

Weiter im Text: Nehmen wir nun einmal an, der verwirrte Mensch ist ein ganz spezieller verwirrter Mensch: er ist ein strenggläubiger Anhänger seiner Religion. (Ich meine wirklich keine spezielle Religion hier, denn selbst der Papst hat gesagt, dass Glaube seinen Ursprung nicht in rationalem Denken hat) . Nehmen wir nun an, dass eines der Gebote dieser Religion wäre „Du sollst nicht pieksen deinen Nächsten auf dass mein Zorn über dich komme und dich zur Hölle schicke“.

Wenn jetzt diese verwirrte Person ansonsten in jedem Aspekt, der nicht ihre Religion betrifft, ein ganz normaler Mensch ist. Er mag ein Tankwart, ein Anwalt oder ein Arzt sein. Jeder der ihn sieht, weiss auch Bescheid über seine irrationale religiöse Seite. Nun kommt wieder der Mann mit dem spitzen Stock, piekst ihn und wird getötet.

Wer ist Schuld?

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