Restat iter caeli: caelo tentabimus ire

15.8.06

Restat iter caeli: caelo tentabimus ire

Oft bin ich gefragt worden, was die Bedeutung des Titels meines Blogs zu bedeuten hätte. Es handelt sich um ein Zitat aus Ovids Ars Amatoria. Dort sagt Daedalus, gefangen auf Kreta, (recht frei übersetzt) dass, wenn es nur den Weg durch den Himmel gibt, er diesen Weg nehmen wird. Für mich ist dies ein guter Sinnspruch, der verdeutlichen soll, dass alles möglich ist, dass es auch gilt neue Wege zu beschreiten, um ein Ziel zu erreichen.
Die Geschichte des Daedalus hat aber noch einen anderen Aspekt. Wir kennen sie in Grundzügen alle. Daedalus wird nach einem Mord auf Kreta gefangen gehalten. Es gelingt ihm und seinem Sohn die Flucht mit selbstgebauten Flügeln. Obwohl ermahnt, kommt Ikarus der Sonne zu nahe, seine Flügel schmelzen und er stürzt ab. Der Tod seines Sohnes ist eine schwere Strafe für Daedalus. Eine Strafe, die er auf sich zog, als er sich mit Flügeln ausrüstete, als er sich durch Werkzeuge Eigenschaften verlieh, die die Götter Ihm nicht gaben. Dies auch ohne die Götter um Erlaubnis oder Vergebung zu bitten. Damit griff er in die Schöpfung ein und zog den Zorn Jupiters auf sich. Es handelt sich also hier auch um einen Kernsatz, der auf die Frage nach der Position der Menschheit im Weltengefüge zielt. Auf die Position des Einzelnen in einer Gesellschaft, in einer Gemeinschaft. Ähnliches findet sich auch in der Legende von Prometheus, der den Menschen das Feuer gab und damit das goldene Zeitalter beendet. Es ist auch das bekannte Thema aus der Bibel "Die Vertreibung aus dem Paradies". Immer wird der Mensch bestraft, weil er seine Fähigkeiten über das Maß hinaus erweitern will, dass die Götter ihm zugewiesen haben.
Ich überlasse es nun euch selbst zu interpretieren, ob der Verstoß gegen Gebote und Befehle wenn Ihr höhere Ziele verfolgt, rechtens ist. Auch möchte ich nicht die Frage für Euch beantworten, ob die Götter das Recht haben die Freiheiten der Menschen eifersüchtig einzuschränken, nur weil sie ihnen ein paradiesisches Leben bieten. Fest steht jedoch, dass es durchaus sinnvoll sein kann, sich darüber Gedanken zu machen, ob der Fortschritt, den wir mit all unserem Intellekt in Bewegung setzen, der für den Einzelnen Vorteile bringt, vielleicht in seinen Konsequenzen für die Gesellschaft, für die Menschheit oder für die Zukunft unberechenbar und schädlich sein könnte.
In diesem Sinne: Die letzten Worte, die auf dieser Welt gesprochen werden, werden die eines Wissenschaftler sein, der Sekunden vor dem letzten großen Knall sagen wird: "Hoppala, das hätte eigentlich gar nicht passieren dürfen"

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