Restat iter caeli: caelo tentabimus ire

28.7.06

Verräterische Blicke - Teil 2

Als erstes fühle ich mich natürlich geschmeichelt, dass es Menschen gibt, die meinen Blog lesen. Musste es aber ausgerechnet der Kollege sein, den ich im letzten Posting "durch die Blume" beschrieb? Andererseits... er hat sich erkannt, das ist ja auch schon viel wert. Und deshalb hier auch seine Antwort auf den letzten Eintrag:

Verräterische Blicke

Kennt ihr diese Situation? Ihr kommt gerade nach einem ausgiebigen Frühstück auf der 150qm Süd-Ost Terrasse eures Anwesen zur Arbeit, werft jedem Kollegen ein gezwitschertes "Guten Morgen" zu und bekommt als Antwort ein gerauntes "Mahlzeit" mit diesem Blick, der keinen Zweifel daran lässt, dass man es Euch nicht im geringsten gönnt den Tag entspannt zu beginnen? Egal der Tag begann so super, Ihr lächtelt weiter und lasst Euch nicht beirren. Doch dann, keine 10 Minuten später, also ca 45 Minuten nach dem letzten Bissen (Trüffel-Croissant mit Konfitüre) und dem letzten Schluck(frisch gepresster Orangensaft von der eigenen Plantage in Süd Spanien), kommt einer dieser Kollegen, mit immer noch dem gleichen, vorwurfsvollen Blick, in Euer Büro und es passiert das Unausweichliche. "Wollen wir mal wieder Essen gehen?". "Nein" wäre zwar die einzig richtige Antwort, aber so geht das Spiel ja leider nicht. Also bemüht man sich, die Pupillen soweit wie möglich aufzureissen, um dem Gegenüber zu suggerieren, dass man Ihn mag. Und dann brubbelt man etwas von viel Arbeit und wenig Zeit und dem späten Frühstück. Doch in dieser Situation ist es schon zu spät, die Schlinge zieht sich unweigerlich zu. Denn weder das Bestehen auf das völlig überteuerte Restaurant, noch das minutenlange Feilschen um die Uhrzeit können jetzt noch das gemeinsame Mahl verhindern. Man einigt sich auf einen Zeitpunkt in der Mitte, und schaut den Kollegen noch einmal ganz aufrichtig an. Nachdem er Euch in diese Situation maneuvirert hat, soll er sich seiner Sache ruhig sicher sein.

Und dann wartet Ihr. Es ist ja auch wirklich viel zu tun. Manchmal. Und selbst wenn man sich langweilt, da muss man jetzt durch. Man kann nur gewinnen. Zum einen hat der Kollege mehr Hunger als Ihr, bei Ihm gab es zum Frühstück ja nur Schwarzbrot mit Nutella, und das schon um 04:45Uhr. Zum anderen bringt die Zeitliche Verzögerung zwei enorme Vorteile. Erstens: das nächste mal wird sich der Kollege gut überlegen, ob er Euch zum Essen nötigt und zweitens ist sein Hunger später so groß das er sein Essen nur so in sich hineinschlingt, und euch damit die ganzen Geschichten übder die "Anti-Bärchen-Mafia" und verschnupfte Igel erspart bleiben. Derweil Ihr Euer Hummer-Carpacio geniesst, könnt Ihr ja ein wenig von eurem Strandhaus auf den Malediven schwärmen.

Es kann durchaus sein, dass das "Mahlzeit" am nächsten Morgen noch ein wenig unfreundlicher ist als sonst, aber man muss auch mal zurückstecken können.

Hier noch mein Tip für die Fortgeschrittenen: Gewöhnt euch die hart antrainierten geweiteten Pupillen wieder ab. Setzt ein ganz schlechtes Pokerface auf und sorgt dafür, das bei Eurem Kollegen Zweifel aufkommen ob der vereinbarten Uhrzeit. In Eurem Gesicht geschrieben steht "Ich werde später kommen und zwar genau zu der Zeit, die ich am Anfang vorgeschlagen habe, aber ich werde so tun als sei es nicht mit Absicht". Das wird dafür sorgen, dass sich der Kollegen gleich schlecht fühlt und nicht erst beim Essen.

Und jetzt noch der Tip für die Profis: Kommt von Zeit zu Zeit mal pünktlich. Dann sieht der Feind den Ball kommen, ducken kann er sich aber nicht mehr


[@Dirk: nächstes mal bin ich pünktlich. Ganz bestimmt!]

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